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  • ¡Colombia!

    reise suedamerika 06-07

    Drei alte Maenner auf einer Parkbank mitten in Medellin. Einer klagte, dass das Alter eine Last sei und dass das Aufstehen am morgen ihm Schwierigkeiten bereite. Der Andere meinte, das mit dem Schlafen ist sowiso eine muehsame Angelegenheit. Dann sagte ein Dritter: “Pues mijito, segun yo sepa, ¡ el hombre es el unico animal que se acueste con su enemigo!”
    Der Mann ist das einzige Tier das er kenne, dass mit seinem Feind schlaeft (und meint die Ehefrau).

    Drei wochen habe ich in kolumbien verbracht und ich bewege mich in diesem Land wie ein fisch im wasser. Ich habe dort vor allem Beatriz besucht, die Stiefmutter einer ehemaligen Schulkollegin. Ich habe Beatriz in der Schweiz kennengelernt. Vor 3 Jahren, nach 12 Jahren in der Schweiz, hat sie sich entschieden in ihr Heimatland zurueck zu gehen.
    Bereits zum zweiten Mal war ich bei Beatriz und Familie zu Gast. Ihre Familie besteht aus Beatriz elf Geschwister mit ihren Familien und ihrem Vater und ihrem Grossvater mit seiner Frau. Als ich ankam, war vier tage vorher die Mutter von Beatriz gestorben. In Antioquia nimmt die Mutter in der Gesellschaft eine Zentrale Stellung ein. Sie ist der Mittelpunkt der Familie um den sich alles dreht. Ihr Haus, immer offen fuer alle ist der Angelpunkt im Leben aller Familienmittglieder, auch wenn sie bereits eine eigene Familie haben oder in der Hauptstadt oder an der Kueste wohnen.
    Stirbt die Mutter, verliert man nicht nur sie, sonder auch ein zu Hause, dass fast wichiger ist als das eigene Haus. Die Mutter weiss alles von ihren Kinder und nicht selten alles von ihren Enkeln. Also eigentlich weiss die ganze Familie alles. Und das ist der Hauptunterschied zwischen der Schweizerkultur und der Kolumbianischen. Privatsphere gibt es hier nicht. Alle mischen sich in alles ein. Geheimnisse gibt es nicht.
    Ich selber , ich fuehlte mich fast wie ein Teil der Familie, bin davon gluecklicherweise ausgenommen.

    Die Mutter von Beatriz, ueber 70, hatte zum wiederhohlten Male Krebs gehabt und war schon laengere Zeit sehr krank. In den letzten Wochen hatte sich ihr naher Tod abgezeichnet. So war die Familie darauf vorbereitet. Dass verhindert natuerlich keinen Schmerz.
    Es war ihr Entscheid, alle lebensverlaengernden Massnahmen einzustellen. Beatriz und einige ihrer Schwestern sprachen aber von einer wunderbaren Erfahrung, ihre Mutter in den Tod begleiten zu koennen. Orphelia, ich hatte sie bei meinem ersten Besuch vor einenhalb Jahren kennen und schaetzen gelernt, sei als weise Frau gestorben. Es sei schoen gewesen, zu sehen, wie sie sich ohne zu fuerchten dem Tod ins Gesicht geblickt hat und loslassen konnte. Und das Trotz enormen Schmerzen.
    Zwei der Schwestern von Beatriz und sie selber habe keine Angst mehr vor dem Tod.

    Nun wurde die “Novena” abghalten.
    Dieses Treffen von Verwanten findet an neun aufeinanderfolgenden Abenden nach dem Begraebnis statt. Es war sehr erfrischen zu sehen, wie ueber die Verstorbene berichtet wurde: es wurde ueber Begegnungen mit ihr und dem Verhaeltnis zu ihr Zeugniss abgelegt, ueber ihre noch nicht bekannten Suenden geplaudert und ueber ihre guten und und
    schwierigen Charakterzuege diskutiert und nicht zu letzt viel gelacht, nicht nur ueber Orphelia.
    Beatriz und ihre Schwestern haben erfahren, dass es nicht ihr Vater war, der den Hund Sombrita vergiftet hat, wie er immer gedroht hatte. Orphelie unter groessten Gewissensnot hat diese Tat begangen, damit das knapp bemessene Essen fuer die zwoelfkoepfige Familie nicht auch noch mit dem Hund geteilt werden musste.
    Mir bleibt den Eindruck von einer sanften aber beharrlichen Frau mit einem Loewenherz.
    Auch ich wurde an die Versammlungen eingeladen. Man muss sich dass wie ein grosses Kaffekraenzchen vorstellen. Menschen aus der naeheren und ferneren Verwantschaft troepfeln abends nach und nach ein. Dann konnte jeder das Wort ergreifen. Beatriz leitete das Gespraech und setzte mit eigenen Beitraegen Inhaltliche Schwerpunkte.
    Waehrend der ganzen Versammlung habe ich mich gefragt, was ich den fuer einen Beitrag bringen koennte. Dann kam mir Beatriz zuvor und fragte mich, ob ich von meinem verstorbenen Vater erzaehlen wolle. Ich erzaehlte lange die Umstaende seines Todes. Vor allem aber erzaehlte ich, wie in meinem Umfeld des Toten in der Familiegemeinschaft gedacht wurde: Abgesehen von der Beerdigung eigentlich fast gar nicht. Das hat mich traurig gemacht. Ich habe gemerkt, wie sehr mir das eigentlich fehlt. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, wie nah mir alles noch ist.

  • finden

    ich suche nicht - ich finde
    suchen, das ist das ausgehen von alten beständen
    und das finden-wollen von bereits bekanntem.
    finden, das ist das völlig neue.

    alle wege sind offen, und was gefunden wird,
    ist unbekannt.
    es ist ein wagnis, ein heiliges abenteuer.

    die ungewissheit solcher wagnisse können eigentlich
    nur jene auf sich nehmen,
    die im ungewissen sich geborgen wissen,
    die in der ungewissheit, der führerlosigkeit
    geführt werden,
    die sich von ziel ziehen lassen
    und nicht das ziel bestimmen.

    pablo picasso

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